Tatsächlich ist es für die Fed praktisch unmöglich, die Inflation auf 2 % zu halten.
Weil 2 % an sich kein wirtschaftliches Ziel ist, sondern eine Stabilitätsgeschichte im Rahmen des alten Dollar-Systems.
Die Voraussetzung dafür ist, dass die Haushaltsdisziplin besteht, die Globalisierung reibungslos verläuft, Energie billig ist, die Bevölkerungsstruktur jung ist und die Produktion ausgelagert wird. Diese Voraussetzungen gibt es heute alle nicht mehr.
Die aktuelle Finanzstruktur der USA macht es unmöglich, die Inflation zu „beseitigen“, sie kann nur „verwaltet“ werden.
Wenn die Haushaltsdefizite festgelegt sind und die Schuldenlast durch Zeit und Inflation langsam abgebaut werden muss, wird die Fed nicht länger eine unabhängige Geldbehörde sein, sondern ein Liquiditätsregler für das Finanzsystem. Die 2 % sind nur ein psychologischer Anker für den Markt, kein erreichbares Ergebnis.
In den letzten drei Jahrzehnten wurde die Inflation in den USA niedrig gehalten, nicht weil die Fed so klug war, sondern weil die Globalisierung die Kosten übernommen hat. China, Ostasien und die globale Fertigungsindustrie haben mit echter Arbeit, Energie und Umwelt die niedrige Inflation und hohe Vermögenspreise im Dollar-System ermöglicht.
Wenn dieses System aktiv aufgelöst wird, und die industrielle Rückkehr, die Sicherheit der Lieferketten sowie geopolitische Konfrontationen die Hauptthemen werden, ist ein Anstieg der Kosten unvermeidlich. Das kann nicht durch Zinserhöhungen zurückgedrängt werden.
Noch wichtiger ist, dass der industrielle Zyklus, in den die USA eintreten, inhärent inflationär ist.
Rüstung, Energie, Infrastruktur und AI-Infrastruktur – keiner dieser Sektoren ist deflationär. Sie hängen von der öffentlichen Hand ab, von langfristigen Kapitalanlagen und von kontinuierlichen Investitionen. Die Preise sind von Natur aus starre Größen. Du kannst nicht gleichzeitig diese Bereiche fördern und gleichzeitig verlangen, dass die Inflation auf 2 % zurückgeht.
Die Realität ist also, dass die Fed die Inflation selbst nie wirklich kontrolliert, sondern nur die Geschwindigkeit, mit der sie außer Kontrolle gerät.
Die Vermögensinflation wird geduldet, die Dienstleistungs-Inflation wird akzeptiert. Solange keine systemischen politischen Risiken ausgelöst werden, kann man von einer „erfolgreichen Inflationskontrolle“ sprechen.
Daher ist die 2%-Inflation eher eine Redewendung als eine Realität.
Die USA kämpfen nicht gegen die Inflation, sondern nutzen sie, um die alte Verschuldung, die alte Ordnung und das alte globale Spezialisierungssystem neu zu bewerten.
Das ist auch der Grund, warum ich immer gesagt habe:
Dies ist kein kurzfristiges Inflationsproblem, sondern der Beginn einer langfristigen Re-Inflationswelt.
